"Abschied ist ein zu hartes Wort"
23.09.07 -Ricco Groß sagt bei einem Festabend Servus zu seiner Karriere und bereitet sich auf die nächste vor.
Es war fast wie in den glorreichen Zeiten. Die Zuschauer sprangen auf, feuerten Ricco Groß an, als er auf der Schlussrunde den Norweger Hanevold spektakulär niederkämpfte, am Ende spendeten sie stehende Ovationen. Doch diesmal nicht an der Loipe, sondern im Ruhpoldinger Kurhaus.
Die Bilder, die auf der Videowand zu sehen waren, stammten aus dem Jahr 2003. Ricco Groß, seit 16 Jahren überzeugter Wahl-Ruhpoldinger, gewann damals den WM-Titel in der Verfolgung, und die von rockigen Klängen untermalte Rückschau übte auf die 300 Gäste immer noch mitreißende Wirkung aus. Zumal es an diesem von anrührenden Stimmungen geprägten Abend galt, auf festliche Weise Abschied von einer großen Karriere zu nehmen.
"Servus Ricco" lautete also das Motto. Ruhpoldings Bürgermeister Andreas Hallhuber, der als lässiger Entertainer auftrat, warb dabei um eine schonungsvolle Wortwahl: "Abschied ist so ein hartes Wort", sagte er. Lieber sei es ihm, vom "Abschluss einer Sportkarriere" zu sprechen. Stolze 31 Mal schaffte es Groß von 1991 bis 2007 auf das Siegespodest bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften.
Weswegen 31 Kinder die Bühne des Kursaals bevölkerten; um den Hals hatten sie Medaillen aus Marzipan hängen. Zudem erhielt Hobby-Golfer Groß 31 Golfbälle in den Farben Gold, Silber und Bronze. Und dann wartete Bürgermeister Hallweger auch noch mit einer besonderen Ehrung auf: Das WM-Haus in der Chiemgau-Arena wurde umbenannt - in Ricco-Groß-Haus. "Jetzt habt ihr mich endlich am sentimentalen Punkt", sagte der Ex-Skijäger mit leicht stockender Stimme.
Ihre Aufwartung machte auch eine kleine Delegation der früheren SG Dynamo Zinnwald. Der Klub, der mittlerweile SSV Altenberg heißt, war die erste sportliche Station von Ricco Groß. Und so erinnerten die Gäste aus dem Erzgebirge auch an die Wurzeln von "Riggo": "Bei uns hast du das Rüstzeug für die große Karriere erhalten", rief der Klubchef Eberhard Rösch, Vater des Biathleten Michael Rösch, tapfer in die bayerische Hochstimmung.
Das Rüstzug für seine zweit Karriere holt sich Ricco Groß, 37, derzeit als Student an der Kölner Sportakademie. Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Skiverbands (DSV), meinte hierzu: "Der Ricco ist ein kommunikativer Typ. Der kann für uns zur Allzweckwaffe werden." DSV-Sportdirektor Thomas Pfüller fügte hinzu: "Frauen-Bundestrainer Uwe Müßiggang tritt 2010 ab, ebenso der DSV-Disziplinchef Norbert Baier.
Und ich bin auch schon 58. Aber wenn Ricco ein Spitzentrainer wird, werden wir ihn zunächst als solchen einsetzen. Funktionär kann er immer noch werden." Schöne Aussichten also.
Armin Gibis
